He is der nich

Toni Schmedding-Elpers, Nu luster es, Verlag Grube Werne, 1957

Terro har seine Utbildung äs Architekt an´n End un mook nu sein Geschäft in´t Ellernhus, in dat schöne, aolle Fachwiärkhus „ächter de Müer“ loss. He wuhnd hier erst alleen met siene leiwe aolle Moder; denn öhre annern Kinner wassen all verhieraot un utfluogen. Den Stuobben tieggen de Küeck wor äs Büro inricht, un et versteiht sick, dat Terro daorin Telefonanschluß anleggen leit. Män en Telefon! Dat was en spanischk Dingen för Oma! Hus- un Gaorenarbeit wassen öhre Welt, aower „Gaoh mi wegg met all de Erfindungen un Inrichtungen von usse mondäne Tiet!“ sagg se. – Äs Terro nu eenes Muorns geschäftlick harut moß, reip he dör de Küekendör: „Oma, wenn äs een anropen soll, dann gaoh iäbben an´t Telefon un sägg män, ick was der nich un kaim glieks wier!“  O Häer! – Terro was noch nich lang wegg, dao fonk dat Telefon schrill an to klingeln. Vör Schreck leit Oma dat Schällküörwken von de Schlipp (Schoß) fallen, un Schällmeßken un Kartuffel rullden dör de Küek.  „Wat´n Bewehr! Dat ick aolle Menschk auk noch an´t Telefon mott!“  Von wieden reip se all:  „He is der nicht!“  Dann stonn se raotlaus vör´t Telefonkäßken: „Anpacken doh´k et nich!“  dacht se.  „Dat is mi to riskant!“  Und se reip egaolwegg in dat Klingeln:  „He is der nich“ He is der nich!“  Anleßt was Ruh!  Guott Dank!

Äs Terro wier trügg kamm, frogg he, wu´t gaohn har.  „Ick häff mi vört´ Käßken stellt un ropen:  „He is der nich!“ – „Häs Du dann den „Hörer“ nich affnaomen, Oma?“  -  „Aowat!  Ick sall mi wull wahren!“ – Män Terro wuß se dann doch to üöwertügen, dat de „Hörer“ ungefäöhrlick was, un dat naichste Maol wull se´t dann richtig maken.

Kuort drup was öhr Suohn wier geschäftlick unnerweggens, un dat Telefon gonk wier an.  „Kinners noch to! He is der nich!”  “Män düt Maol gonk se reselveert drup loss! Wenn auk met´n Tadder namm se den “Hörer” up, haoll´n wiet von sick aff in de Hand un reip nao de Gieggensiet so  harr se konn, aohne erst up de Stimm in´t Telefon to lustern: „He is der nich! He is der nich!“

Daomet kamm Terro harin. He stonn in de Dör un schutt sick vör Lachen. – Se häff´t doch nich mähr lährt, dat Telefoneeren! Oma was noch von de geruhsame, aolle Welt. Dao gaff´t noch kein Telefon, kine raosenden Autos, kin Stüörten un Hassebassen.

Se is der nu all lang nich mähr. Män öhr Andenken bliff lebbennig, un öhr Siängen ligg noch vandag up dat schöne, aolle Fackwiärkhus „ächter de Müer“, wao Terros Frau noch faken, wenn dat Telefon klingelt, dat unvergiättene „He is der nich!“ dör-gieben mott: denn Terro häff´t wahne druck un is viell unnerweggens.


Högger up

Bernhard Holtmann

In de Aolle Fritz sine Armee deinde es son echten mönsterländer Jungen ut de Baumbiärger Giegend, et was aower auk en Käl es en Baum. De kreeg nu es eenes Dags, he moß jüst up Wache trecken, en Paket van Hus (se hadden in Hus gra en Swien slacht).

„Donnerkiel“, segg de Soldaot, „nu slaoh eener lank hen, gra en Paket un dann up Wache trecken.“

„Aowat“, saggen de anners Käls, „büs wies, stiäk di doch ´ne üörndlike Wuost in Task, wenn du tenaoh up Posten steihs, hes Langewiel genog, dann kanns di de Wuost in alle Ruh upiätten; moß blos uppassen, datt di nich son Leutnant off son Feldwebel daobi snappt.“

„Sall ik mi wull vör in acht niemen!“ sag de, stak sine Wuost in un trock laos up Wache.

Äs he nu up Posten stonn un de Luft rein was, kreeg he sine Worst harut un fonk gemüetlik an`t gnagen.

Dao kümp de Aolle Fritz üm de Eck – in Zivil, de Soldaot konn em nich kennen. –

Äs de Aolle Fritz den Posten so süht, geiht he drup to un fräög so recht fröndlik: „Nao min Junge, wat hew he denn dao?“

„Ja, dat raot es!“ lachde de Soldaot.

„Nao, dat schient mi wull`ne Wuost te sin!“

„Jao, - dat kann ´n jeder seihn, aower wat för ´ne Wuost?“

„Ao“, segg de Aolle Fritz, „velicht ´ne Blotwuost?“

„Nee, nee“, glienkerde de Soldaot, „högger up!“

„Nao, dann velicht ´ne Liäwerwuost?“

„Liäwerwuost? – Nee, högger up!“

“De Dusend, dann is et wull `ne richtige Fleeskwuost?”

„Aowat, niks te maken, högger up!“

“Junge”, röp de Aolle Fritz nu, “dann hes jä wull ´ne pickfeine Mettwuost?“

„Dat hes raot!“ sag de Soldaot ganz stolt.

„Ja“, segg de Aolle Fritz nu, „nu raot aower auk es, we ik sin.“

„Ooh“, meinde de Soldaot so lük minachtig, „saß wull son Kaupmann sin!“

„Nee, högger up!“ segg de Aolle Fritz.

“Nao, dan büs velicht son Büörgermester?”

„Auk nich, högger up!“

„Hu, büs doch wull kin Minister?“

„Högger up!“ lachde de Aolle Fritz.

„Donnerkiel, büs doch wull kin Generaol?“ fraog de Soldaot, et wuor em all lük benaut.

„Högger up!“ lachde de Aole Fritz nao härrer.

„Min Här un min Tied“, röpt de Soldaot, „dann büst jä wull minen Härn un Kuenink sölwer?“

„Dat hes raot!“ segg de Aolle Fritz.

„Düwel naomaol, - dao“, daomet reekde de Soldaot den Aollen Fritz de Wuost to, „dann haoll mi de Wuost es fast, dann mot ik jä präsenteeren!“

     benaut – bange, ängstlich

     Käl – Kerl

     slaoh – schlag

     tenaoh – nachher

     Wuost - Wurst


Kaiserwalzer

Albert Rüschenschmidt

Kaffeeduft swiärwe licht met liese Musik un Stimmendöreen dör dat Cafè. Lüde, junge, olle, unnerhollen sick fröndlick, mangs ernst, lustern up den Straußwalzer, bladern in Illustreerte of keeken dör uopene Fensters in de Anlagen, wo Riägendrüppen sacht friske Sunnenblomengesichter püßen.

„Ick verstaoh de Welt nich mähr“, lache se em licht an un nippe enen Sluck Kaffee. „Ick auk nich“, anter he dump un streek sacht üöwer iähre Hand.

En Smetterling danze herin, swiärwe üm Luchten un Diskrausen to, sette sick niäben sienen Kokenteller, keek em an, dei, äs wann he em tonicke, steeg wier up un flattke licht no buten up de warme Riägenluft to.

„Wass en Daudenfalter“, flüster se un keek em deip in de Augen.

„Daudenfalter?“ aohme he kuort un slaug siene Pupillen dal.

Beide keeken den Falter nao, wu he buten unner en Glasdack danze, äs wann he in den Kaiserwalzer verleiwt wass.

„Up teihn Jaohr sind et hiär“, smüster se, „dat wi hier so in Ruhe siäten un us ankieken häbt.“

„Fröher wäören wi faken an düssen Disk, wo wi us kennenlährt häbt“, wähne he drup.

Et wass, äs wann seine Augen ächter den Smetterling hiärstallen, ängstlick, kollt.

„Sägg mi, waorüm bis du hier un nich in diene Firma, we di all so lange äs enen Gefangenen höllt?“ frogg se em licht verwünnert.

„Dat Geschäft mott auk ohne mi utkuemen können“, bemiäke he kuort.

„Uterdem is usse Junge up Twintig un mott sick an hatte Arbeit gewüehnen.“ Daobi greep he met seine rechte Hand immer wier unner sienen linken Arm.

De Falter wippe so immer buten vör dat Fenster äs ene Primadonna in iähr Rampenlecht un banne no immer siene Augen up sick.

„Woto häs du mi iäben dat nie Kostüm un den Mantel upküert un kofft?“ aohmde se licht.

„So äs ick ahn, feihlt di de beiden Deele“, nussel he boll unverständlick in iähr Gesicht.

Du häs up Swatt bestaohn“, flister se nieschierig.

Seine Pupillen danzen no immer äs de Falter un leiten siene Blicke dör dat Café stiäken, hastig, lurig, wild. Dann klammern se sick an iähre Augen fast, fast äs vör mähr äs twintig Jaohr bi iähr erste Du.

„Ick woll di nich säggen, waorüm“, stocke he se an.

„Wi häbt us doch beshiär immer alls säggt, wat wi haren un dachen“, stüeter se lich up em in.

„Ick möch nich, dat du in Verliägenheit kümps, wann du so ene Kleedung äs bruken moss“, riäter he nu.

„Wat bedütt dat?“ haste se in den Kaiserwalzer rin.

„Ick kuem von den Dokter“, biewer he.

„Von den Dokter? Wuso?“ giere se drup.

“Häb enen Knubbel unner den Arm. All länger. Hät ene Probe nuohmen un mi harre bedächtig ankieken.“

„Un?“ stolper se ächterhiär.

„Dat fraog ick mi auk“, kraup et ängstlick ut sienen Munn.

Se liär iähre Hand up siene. Beide Augenpaare stieren sick an äs uopene Kuhlen.

„Lot us no Hus gaohn“, stocke he wier sacht. “Ick häb dao no te schrieben, wo mi bi helpen moss.”

„Ick verstaoh de Welt nich mähr!“ rucke se dump herut un schauf de Kaffeetasse weg.

De Falter danze no immer bouten vör de Sunnenblomengesichter. Dann wippe he wier herin un sette sick up den Niäbendisk. En Mann klatske met siene Illustreerte drup, drücke em in enen Rausenkuorw un kratze Ärde drüöwer.

De Straußwalzer verklüng. He liär enen Schien up den Disk. Beide sleeken dör dat Stimmendöreen, dör Kaffee- un Kokenduft no buten. De Dör slaug ächter iähr in`t Slott.

„Mot nich alls so leige sien, äs et erst utsüht“, siär se em up de Straot. Un dann siären se lange nix. 


Kruphöhneken    

von Hermann Wette

Kruphöhneken, Kruphöhneken,

wat mäcks du füörn Geschrai?

Wat gilpers du, wat gackers du,

tocketaoktok, tocketaoktok,

wat mäcks du füör´n Buhai?

 

Kruphöhneken, Kruphöhneken,

döt´t  lütke Büksken weh?

Du gilpers jä, du gackers jä,

tocketaoktok, tocketaoktok,

äs sprüng di wat entwee.

 

Kruphöhneken, Kruphöhneken,

hörs du den Hahn nich schrain?

So tröst di doch, du wees´t jä doch:

Et vertüht sik! Et vertüht sik!

So lütt dat Hahnenkraihn.

 

Kruphöhneken, Kruphöhneken,

läggs füör min Kind en Ei?

Mariauken jau, nu kiek äs tau:

Tocketaoktok! Et vertüht sik!

So graut as en Gauseei!

 

 

 


Lährin Knütterich

von Hans Hartmann

De Lährin was fakens met sik un de Welt untofriähr, wenn et nich haargenau nao iähre Müsk gonk. So konn dann wahne häbberächts sein. Eenes Dags gonk dat Vertruen tüsken Natz un de Lährin ratz in de Brügge. Dat kamm so.

Natz was krank west un ne heele Wiärk nich to de School gaohn. Äs he wier kureert was, gonk he naomdags to`n Naober, üm met de Dochter to spiellen. Up`n Disk lagg ne Fachzeitschrift för Höhnerhalters. De Naober har ne Küken- un Höhnerfarm. Natz keek in dat Blättken un wünnere sik, dat dao Küken met ‚ck’ stonn. „Onkel Waterkamp, de schriewt Küken met ‚ck’, un dat is do verkatt!“ „Dat is`n Fachorgan, un de mütt`t et wietten.“ Dat löchte Natz in, dat de dat biätter wussen äs he.

Wu de Düwel dat wull, naichsten Muorn schrewen se in de School en Diktat, ‚k oder ck’. Küken kamm drin vüör. Natz hät sik dacht, dat de annern dat alle verkatt schriewt un bloß he et richtig mook. Äs he dat Heft trügg kreeg, har em de Lährin bloß eenen Feihler ankriedt. Anstiähr von ‚sehr gut’ har ge ‚gut’ kriegen. He faots to de Juffer hen: „Fräulein Knütterich, Küken wird aber mit ‚ck’ geschrieben.“ Bi de Juffer kreeg he kien Rächt. „Sagst du Küken oder sagst du Kücken?“ „Ich sage zwar Küken, aber trotzdem ist ‚ck’ richtig.“ „Wenn du es anders schreibst, als du es aussprichst, dann brauchst du dich nicht zu wundern, daß du Fehler machst!“ Se fonk an to schäddern, so dat Natz seine Gäbbel holl.

Naichste Stunn har Natz englisch bi`n Chef. „Herr Rektor, wie wird Küken geschrieben?“ „Wenn du ein gutes Deutsch schreiben willst, dann schreibe es mit ‚ck’, wenn du aber ein weniger gutes Deutsch schreiben willst, dann schreibe es mit einfachem ‚k’.“ Dat reeke Natz; he was vüör de heele Klaß rehabiliteert. De Chef draie sik nao em üm un frogg: „Warum hast du das gefragt?“ Natz hät em dat verteilt. De Rektor kloppe em up de Schuller un sagg: „Richte Fräulein Knütterich einen Gruß von mir aus und sage ihr, daß sie aus dem ‚gut’ ein ‚sehr gut’ machen möchte.“

Mien Guott, wat har Natz in`t Wespennest stuoken. Utschandudelt hät em de aolle Gaffeltang un fraog nich wu. Se har en Dag vüörher drüöwer küert, un wenn Natz nich uppast har, dann moch he dat sölwst in Kaup niemmen. Natz gaff iähr to verstaohn, dat he krank west was un üöwrigens in`t Fachblättken Küken met ‚ck’ schriewwen wuor. Fleitepiepen! De Lährin gaff nich nao. Natz har sietdem to de Juffer kein Vertruen mähr.

häbberächts – rechthaberisch, löchte – leuchte, Düwel – Teufel, ankriedt – angekreidet, schäddern – schimpfen, Gäbbel – Mund, reeke – reichte, utschandudelt – ausgeschimpft, Gaffeltang – zanksüchtige Frau, Fleitepiepen – Trugschluß.


Leißings Oma un de veerde Wagenklasse

Karl-Heinz Stening, münsterländisch

Fröher gaff et bi de Iesenbahn veer Klassen: de iärste Klasse, de twedde Klasse, de diärde und de veerde Klasse.

De veerde Klasse was ümmer de billigste, se was aower auk de unkommodigste un plasserlickste.

De Wagen haren bloss een graut Abteil, un an alle veer Sieten laip `ne hatte höltene Bank längs, un we dao kienen Platz drup funnen har, de droff staohn un har auk ennige Vördele: iärstens kregg he kienen Hexenschuß, tweddens konn he sick an Liädereimen, de von de Diecke runnerbümmelden, fasthaollen und moss diärdens, wenn he siek ut Verseihn an de Nautbriämse fasthaollen wull, hunnert Mark Straofe betahlen.

Daoför konn´m aower in de veerde Klasse alls met rinniehmen, wat män dör de Dör un de Fensters göng: Kinnerwagen met un ohne Blagen, Rüens un Kanaljenvüegel, Kisten met Höhner un Karnickels, daude Hasen und Gaise, Reiseküörwe un Dreihüörgeln, Kiepen met Buotter un Eier, Flitzepees un wat nich alls miähr.

In düsse Klasse droff´m ganz dicht binnannerstaohn, Buk an Buk un Gatt an Gatt. Un wenn de Schaffner sick dörquetten moss, dann gaff et allemaol Geschimpe, wieldat he de Passascheere up de Höhneraugen tratt un manks auk met seine Knieptange in de Haore van de Fraulüede hangen bleef.

De Schaffners ächter den „Billjet-Schalter“ gongen met de Passascheere in de höggeren Klassen ganz maneerlick üm, aower to de Lüede, de met de  veerde Klasse föhren wullen, wassen se mankst juk groff un knüetlerig. Daoto päss auk dat Stücksken, dat Leißings Oma beliäwt hadde.

Leißings Oma har in Mönster inkofft un wull nu met Jöppken, öhren jütten Enkel, wier nao Huse föhren, nao Nordwoll. Se stonn dao up´n Bahnhoff, har in de eene Hand de Billjetts un an de annere dat Jüngsken un har no lük Tiet. Met ´nmaol gong se an´n Schalter und frögg den Schaffner: “Och, Här Schaffner, könnt Ii mi wull säggen, wann de naichste Sugg nao Gronau föhrt - - - üöwer Nordwoll?” De Schaffner sägg: „Sess Uhr draienvettig!“ un smitt dat Fenster to.

Leißings Oma bedankede sick un stell`de sick an de Siete, se har jä no ´ne halwe Stunne Tiet. Aower äs jüst fief Minuten rüm wassen, dao tratt se wier an`n Schalter un frögg ganz söte: „Och, Här Schaffner, wu was dat no? Wann föhrt de Sugg nao Gronau - - - üöwer Nordwoll?“ De Schaffner knur´de ganz geföhrlich: „Sess Uhr dreienvettig!!! Häff ick Ju dat nich all säggt? Wat fraogt Ji dao so dösig?“ He schmitt dat Fenster wier to, un de Oma bedankt sick un stellt sick mit Jöppken up de Siet un wochtet.

Nao knapp fief Minuten geiht Leißings Oma to´n diärdemaol an´n Schalter un kloppt an. De Schaffner rett dat Fenster loss un fraogg rainewägg wild: „Düwel naomaol, wat is dann nu all wier?“ Oma frögg jüst so söte äs vörhiär: „Och Här Schaffner, nicks för unguett, wann föhrt de Sugg nao ...?“ –

De Schaffner üöwerslött sick vör Wut: „Kruzditürken naomaol! Wu faken sall ick Ju dat no säggen? Sess Uhr draienvettig!!! Un nu behollt dat entlicks! Of sin Ji slecht van Kappee, hää?“ Leißings Oma sägg: „Nä Herr Schaffner, char nicht! Ick häff dat all gliecks bi´t iärstemaol behollen. Aower usse Jöppken, mien leiwe Dochtersüöhnken, de häört Ju so giärne schimpen!“

faken = oft; 

Kanaljenvüegel = Kanarienvögel; 

knüeterig = knurrig, gereizt; 

Nordwoll = Nordwalde.


Maidag 

Hermann Wette

 

Maidag, wo büs du denn?

Segg mi doch, wo blifs du denn?

Liggs du no in daipen Slaop

un wi höt hier all de Schaop?

 

Maidag, so hör doch to,

wacker op un täum nich so!

Wees nich, dat de Kuckuck schrait

un dat klein Viölken blaiht?

 

Maidag, de Märt is ut,

kik äs ut de Är herut !

Kine Köll mähr döt di wat,

kin Aprilschur gütt di natt.

 

Maidag, du Wunnermann,

gau treck´t gröne Bücksken an

un den bunten Blaumenrock,

un bekräns di Haut un Stock!


Melchert, schlao dran!

Toni Schmedding-Elpers, Nu luster es, Druckerei Grube, 1957

So nannten de Lü Melchert, en unvergiätten, mönsterlänner Faktotum. Nich bloß dat he in´t Duorp bi de Musick de Trumm schluog, he schluog auk süß düftig dran un dat nich to knapp an´n Treesen.

„Melchert, schlag dran!“  satt todem vull von Ulk un Undöcht un verstonn´t, manks dat ganze Duorp up´n annern End to stellen. Eens guedden Aobends – et was so üm de Uhlenflucht, gonk he inne Wäetschopp, sick en paar Hälfkes kippen.

Dao drapp he met´n Tropp anne düörstige Düörpers tesammen: “He! Melchert, schlao dran!”  Een Prösterken nao ´t anne, un de Stimmung was baoll dao: Flöhmen, praohlen, wetten: Män Melchert bleew de Üpperst: „Aowat, aowat! Dat is no nix! 10 Pullen Sekt, sägg ick, 10 Pullen Sekt – un ick spring haug buobben von´n Kiärktaohn, aohne dat mi dat wat döht un staoh äs ne Katt wier unnen up de Fööt!“ – Allemann, Melchert vörut, gongen met graut Hallo up´n Kiärkplatz. An´n Kiärktaohn stonn gra en Baugerüst, wao se an´t Dackutbiättern wassen, an 50 m haug. Melchert speeg sich kurascheert in de Hänne un dann – nix wie gib ihm – kleide he dat Gerüst harup. De Spannung was graut. Baoll kamm dat halwe Duorp up´n Kiärkhoff tosammen. Alle gaapten, Kopp innen Nacken un de Hand üöwer de Augen, nao buobben in de Lucht, wao Melchert ümmer klenner un klenner woer.

Et was all half in´n Düstern, män se konnen den schwatten Placken noch iäbben seihn. Anleßt was he buobben ankuemen. „Käerl, Käerl, büs auk wies? Wat nu? He will doch wuell nich in sienen besuopenen Kopp würklich harunner springen??“ De Spannung steeg up´t Höchste. – Noch en paar Augenschlagg:  „Wat? Wat? Kick, kick! Nu kleit he üöwer´n Gerüstrand!  „Hö! Hö! Der dusend nao maol!“ – Kladde – da bumms – un he susede von haug buobben dör de Lucht – midden in dat kriöhlende, vör Upregung un Angst schreiende Volk, dat de Hänne to´t Upschnappen hauch haoll.

Män wat was dat? Dat was, dat was – en gewäöllig Brüllen un Krieschken vör Lachen – dat was ja garnich Melchert! Et was män bloß ne – Straupupp in Mannslü Büx un Jack! – Wat gonk´t derher! – Äs Melchert wier von´t Gerüst unnen ankamm, woer he met graut Juchei „im Siegeszug“ up Schullern in de Wäetschopp trügg bracht, wao de verdennte, wunnene Wett verdrunken wohr.

De Wäet gnesede sich een. Melchert har sich vörher met öm affspruoken un leit den Straukäerl buobben up´t Gerüst leggen. Dat gaff nu een Prosit der Gemütlichkeit!

„Jau, jau. Köppken!“ reip Melchert.  „Et kümp ümmer up de Idee, up´t Köppken an!“

Melchert schlao dran!


Modersparok

Theodor Heimann, Capelle

Wu oft denks du in´t Liäben so faak un gärn wier trügg,

an diene Moderspraok, dat was de erste Brügg.

Dao lährdes du drop laupen, so langsam Faut vüör Faut,

de Moder namm di an´t Händken, för di was´t süß te graut.

Un häörs du nu de Wäör: „Mien leiwe Jung, mien Därn,

probeer´t män äs alleen, di kann ja nicks passeern!“

 

Nu köös opmaol du laupen, op düsse graute Welt,

un Moder hät von wieden noch jede Schrittken tellt.

Dann möggst du auk norre Schaul, den wieden langen Wägg,

nu häß du kene Angst mähr, denn Moders Brügg de drägg.

Gaff et auk en Zeugnis, et was manks gued manks schlecht,

doch gärn gönks du nao Hus, de Moder gaff di recht.

 

De eene, de lährt en Handwiärk, de annere droff studeern,

ja lle wüörn´s  tefriärn, et konn ja nichs passeern.

Nu stönns du mitten int Liäben so tüschken früemde Lüe,

nu möggs du di bewähren, of du ährlik wüörs un trü.

Inne Schaul lährs du dat Riäken un Schrieben ganz akraot,

owwer Bildung kraigs an Hus düör diene Moderspraok.

 

Un giff et auk maol Iärger un Wirrwarr oppe Welt,

dann denk män an de Wäör, de Moder di vertellt.

Nu häß du kenne Angst mähr un stüörts nich oppe Rügg

un nimms auk annere Lüe no met op diene Brügg.

Un häß du diene Arbeit daon, dann kümp för die de Tied,

dao kaas du rühig spazeerengaohn, ´n Lauhn för dienen Fliet.

 

Doch bruukt wärs du nu üöwerall, man söch jä dienen Raot,

äs Handwiärker of Buer in Stall, wenn´t lährt häs, met dien Waort.

Fröhjaohr wätt in´t Mönsterland, de Sunn schient in jeden Hook,

en Enkel niems du anne Hand, lährs öm de Modersparok.

So gaihs du dann noch stunnenlang düör´t Mönsterland spazeern,

bis hen to dienen lesten Gang, et kann di nicks passeern.

akrot – genau, gut

Brügg - Brücke,

manks - manchmal

norre - zur

tefriärn - zufrieden

Wäör - Worte


Muselatin

Ottilie Baranowski

Klemens Museohr moß gistern

et erstemaol nao Schol´.

Moder dragg em den Tünüster

bes kuort vör den Poggenpool.

Dann moß he alleene wieder

an de Biekk entlang,

wo dat Water en lück sieder.

Use Klemken sprang

rein vergnögt von Steen to Steen

un von dat eene up´t annere Been

äs so´n Quickstiärt, de de Müggen

üöwer´t klaore Water schnappet.

 

Klemken dachde: „Ei, dat klappet

jä ganz herrlick un famos;

wat sall ick in de Schole bloß?

Stillesitten, riäken, schriewen,

alltiets arig sein – un bliewen ?

Quaterie! Dat do ick nich.

Nicks nich mi an´t Lärnen ligg!“

He hüppket up de Musebeen´

wieder üöwer Stock un Steen.

Dao wahrschaut em de Juffer ule:

„Klemens, willst du wohl zur Schule!“

 

Aower Klemken häört nich hen:

„Wat schiärt mi Juffer Ule denn?

Schimp män wieder mienetwiägen,

is mi jä gar nicks an geliägen ...“

Wieder springt he – een, twee, drei ...

Här o Här, wat en Geschrei!

Klemken schütt mitsamt Tünüster

holterpolterdi int Water,

röpp nao Vader, Moder, Süster ...

Nicks. – Bloß Poggen makt Geqater.

 

Klemken sitt in Liäbensnaut,

hät vör Augen all den Daud,

is langsam an´t Unnersacken ...

Dao föhlt he ´ne Hand in´n Nacken,

un de treckt em ritzeratzke

ut de kaolle natte Patske,

sett´t em daale an de Biekke,

schlött ´ne weekewarme Diekke

üm de natten Müseschullern

un fäng wahne an to bullern:

„Dumme Junge! Büs nich wies?

Dat Water is ja kaolt äs Ies.

Wat häs du dann hier to söken?

- Ei, man söll de Blagen flöken.

Statt nao Schole Steenkenspringen,

Lüde öwen, kriesken, singen ...

Sägg äs, is dat dann ´ne Art?

Moder glöff die guett verwahrt

in de Schole bi Hallähr,

un du Schlams hüpps hier daohiär,

äs göng di dat nicks nich an.

Wochte män; ick zeig´  di an!“

 

Klemken sienen Liäbensredder

was Janbärnd, de graute Vedder.

De was hauchstudeert un schlau

äs Chef bi´n städtsken Waterbau.

Oberbaurat Janbärnd Ratte

was gries in Tüüg äs Naobers Katte.

He pock Klein-Klemken an dat Aohr:

„Schole schwänzen?“ –

„Jau, is waohr“,

schnuckert Klemken ganz bedröwt,

„män ick häw nicheenen öwt.“

„Diene Mama häs beluogen,

un di sölwst häs du bedruogen.

Well nich nao de Schole geiht

un van Schwriewen nicks versteiht,

de bliff dumm sein Liäben lang

un mäck Va´un Moder krank!“

 

Klemken grinnt:

„Ick do et nich wier.

Wisse nich! Nich äs en Spier

spring ick mähr van mienen Wegg

un do, wat use Mama sägg.“

“Dann is´t guett”, sägg Janbärnd Ratte,

„män wahr di, Klem, ick sägg´t de Katte,

de Polzist is int Revier!“

« Nee », röpp Klemken, « nee, bliew hier ! »,

Un he biewwert von bar Angst.

 

Dao kamm jüst sien Moder langs,

de vör Naut binaoh versunken,

öf iähr Klemken was verdrunken:

„Klemken! Hiärtken! Lusebengel!

Söte Jung´, mien Muse-Engel,

kuemm gau an mien Musehiärt,

dat den Schrecken ick vergiätt.

Büs jä no so kleen un söte,

häs so samtene Musefööte

un so´n nüdlick Musetiärtken.

Kuemm, wi beiden spiellt glieks Piärdken.

Bruks nich nao´t Gymnasium,

bliew män bi mi. Du bis nich dumm.

Ick will sölwer di alls wiesen,

de schwatten Katten un de griesen,

de jä ganz un gar nich düeget,

weil se gärne Müse müeget.

Klemken, wahr´n moß di vör allen

vör den Voß un – Musefallen!

 

Möderken kann di  ´t wull lehrn,

wu to bieten, di to wehrn,

du to lustern häs un flitzen

un wo Müse küennt stibitzen.

Jä, wat brukt mien Musekind mähr?

Ick weet et biätter äs Hallähr.

So, un nu hopphopp, mien Kind,

ick häw no fetten Speck int  Spind.”

 

Musemama un iährn Jungen

sind ganz gau nao Hus hen sprungen,

dao wuor dann de Uoben stuoket

un för Klemken Purring kuoket.

Oberbaurat Janbärnd Ratte

stönn stockstief-verwünnert dao,

drückde sienen Stiärt wat platter

un satt: „Musemöderkes sind raor!“

 

 

Biekk – Bach, 

Hallähr – Lehrer,

öwen – foppen,

zum Narren halten,

Poggen – Frösche, 

Poggenpool – Froschteich,

Quaterie – dummes Gequatsche,

Quickstiärt – Bachstelze,

raor – selten

schnuckert – schluchzt

Spier – Halm

stuoket – angeheizt

Tünüster – Tornister

Tüüg – Kleidung

Uoben – Ofen

vergiätt – vergessen.


Muselatin

Ottilie Baranowski

 

Klemens Museohr moß gistern

et erstemaol nao Schol´.

Moder dragg em den Tünüster

bes kuort vör den Poggenpool.

Dann moß he alleene wieder

an de Biekk entlang,

wo dat Water en lück sieder.

Use Klemken sprang

rein vergnögt von Steen to Steen

un von dat eene up´t annere Been

äs so´n Quickstiärt, de de Müggen

üöwer´t klaore Water schnappet.

 

Klemken dachde: „Ei, dat klappet

jä ganz herrlick un famos;

wat sall ick in de Schole bloß?

Stillesitten, riäken, schriewen,

alltiets arig sein – un bliewen ?

Quaterie! Dat do ick nich.

Nicks nich mi an´t Lärnen ligg!“

He hüppket up de Musebeen´

wieder üöwer Stock un Steen.

Dao wahrschaut em de Juffer ule:

„Klemens, willst du wohl zur Schule!“

 

Aower Klemken häört nich hen:

„Wat schiärt mi Juffer Ule denn?

Schimp män wieder mienetwiägen,

is mi jä gar nicks an geliägen ...“

Wieder springt he – een, twee, drei ...

Här o Här, wat en Geschrei!

Klemken schütt mitsamt Tünüster

holterpolterdi int Water,

röpp nao Vader, Moder, Süster ...

Nicks. – Bloß Poggen makt Geqater.

 

Klemken sitt in Liäbensnaut,

hät vör Augen all den Daud,

is langsam an´t Unnersacken ...

Dao föhlt he ´ne Hand in´n Nacken,

un de treckt em ritzeratzke

ut de kaolle natte Patske,

sett´t em daale an de Biekke,

schlött ´ne weekewarme Diekke

üm de natten Müseschullern

un fäng wahne an to bullern:

„Dumme Junge! Büs nich wies?

Dat Water is ja kaolt äs Ies.

Wat häs du dann hier to söken?

- Ei, man söll de Blagen flöken.

Statt nao Schole Steenkenspringen,

Lüde öwen, kriesken, singen ...

Sägg äs, is dat dann ´ne Art?

Moder glöff die guett verwahrt

in de Schole bi Hallähr,

un du Schlams hüpps hier daohiär,

äs göng di dat nicks nich an.

Wochte män; ick zeig´  di an!“

 

Klemken sienen Liäbensredder

was Janbärnd, de graute Vedder.

De was hauchstudeert un schlau

äs Chef bi´n städtsken Waterbau.

Oberbaurat Janbärnd Ratte

was gries in Tüüg äs Naobers Katte.

He pock Klein-Klemken an dat Aohr:

„Schole schwänzen?“ –

„Jau, is waohr“,

schnuckert Klemken ganz bedröwt,

„män ick häw nicheenen öwt.“

„Diene Mama häs beluogen,

un di sölwst häs du bedruogen.

Well nich nao de Schole geiht

un van Schwriewen nicks versteiht,

de bliff dumm sein Liäben lang

un mäck Va´un Moder krank!“

 

Klemken grinnt:

„Ick do et nich wier.

Wisse nich! Nich äs en Spier

spring ick mähr van mienen Wegg

un do, wat use Mama sägg.“

“Dann is´t guett”, sägg Janbärnd Ratte,

„män wahr di, Klem, ick sägg´t de Katte,

de Polzist is int Revier!“

« Nee », röpp Klemken, « nee, bliew hier ! »,

Un he biewwert von bar Angst.

 

Dao kamm jüst sien Moder langs,

de vör Naut binaoh versunken,

öf iähr Klemken was verdrunken:

„Klemken! Hiärtken! Lusebengel!

Söte Jung´, mien Muse-Engel,

kuemm gau an mien Musehiärt,

dat den Schrecken ick vergiätt.

Büs jä no so kleen un söte,

häs so samtene Musefööte

un so´n nüdlick Musetiärtken.

Kuemm, wi beiden spiellt glieks Piärdken.

Bruks nich nao´t Gymnasium,

bliew män bi mi. Du bis nich dumm.

Ick will sölwer di alls wiesen,

de schwatten Katten un de griesen,

de jä ganz un gar nich düeget,

weil se gärne Müse müeget.

Klemken, wahr´n moß di vör allen

vör den Voß un – Musefallen!

 

Möderken kann di  ´t wull lehrn,

wu to bieten, di to wehrn,

du to lustern häs un flitzen

un wo Müse küennt stibitzen.

Jä, wat brukt mien Musekind mähr?

Ick weet et biätter äs Hallähr.

So, un nu hopphopp, mien Kind,

ick häw no fetten Speck int  Spind.”

 

Musemama un iährn Jungen

sind ganz gau nao Hus hen sprungen,

dao wuor dann de Uoben stuoket

un för Klemken Purring kuoket.

Oberbaurat Janbärnd Ratte

stönn stockstief-verwünnert dao,

drückde sienen Stiärt wat platter

un satt: „Musemöderkes sind raor!“

 

Biekk – Bach, 

Hallähr – Lehrer,

öwen – foppen,

zum Narren halten,

Poggen – Frösche, 

Poggenpool – Froschteich,

Quaterie – dummes Gequatsche,

Quickstiärt – Bachstelze,

raor – selten

schnuckert – schluchzt

Spier – Halm

stuoket – angeheizt

Tünüster – Tornister

Tüüg – Kleidung

Uoben – Ofen

vergiätt – vergessen.